Essen und Trinken

Das hab ich auch gar nicht anders erwartet: In der einheimischen Küche von Grenada spiegelt sich die gesamte Vielfalt der Karibik! Früchte und Gewürze, die im Land wachsen, spielen selbstverständlich eine große Rolle als Beilage bzw. Zutat zu Fischgerichten und Meeresfrüchten aus den heimischen Gewässern. Die Gewürze der Inseln geben den westindisch-kreolischen Gerichten auf Grenada außerdem eine ganz eigene, landestypische Note. So ist es durchaus üblich, nahezu allem Essbaren und Trinkbaren etwas Muskat beizugeben, sei es dem Kaffee oder dem Rumpunsch - sogar zu Süßigkeiten und Eiskrem.

 Die Grenader sind eben ein bisschen verrückt nach Muskat - aber auch davon überzeugt, dass Muskat sehr gesund ist! Auf der Gewürzplantage (siehe "Plantagen" in der zweiten Lektion) hat mir ein Einheimischer erzählt, eine Muskatnuss in der Hosentasche verhindere einen Herzinfarkt. Seitdem probiere ich es aus - und bisher hat der gute Mann recht behalten! Die Grenader verwerten übrigens beim Muskat nicht nur den Fruchtkern, den Ihr sicherlich alle kennt (und den wir im Deutschen irreführend als "Nuss" bezeichnen). Aus der gelben Fruchtschale stellt man Sirup und Gelee her.

 Die Mazis, den roten, fasrigen Samenmantel, der den Kern umhüllt, trocknet man auf Holzgestellen in der Sonne und verwendet ihn dann entweder als Fleischwürze, als Konservierungsmittel - oder zur Herstellung von Lippenstift. Die harte Kapsel, die den Kern dann noch umgibt, wird geknackt und auf Blumenbeete gestreut, wo sie die Feuchtigkeit hält. Und aus dem Kern schließlich stellt man nicht nur das bekannte Gewürz her, sondern auch Seifen, Massageöle und andere Kosmetika. Meiner Mutti bringe ich immer das "Nutmed" mit, ein Muskatnussöl, das ihr gegen die Arthritis hilft. Eine Spezialität der Inselküche ist die Callaloo-Suppe. Hauptbestandteil ist ein Blattgemüse, das man auf Grenada als "Callaloo" bezeichnet. Man kann auch Taro, Tannia oder Amarant verwenden.

 Ihr könnt die Suppe selbst mal zu Hause ausprobieren, und wenn Ihr nichts anderes findet, dann geht es auch mit frischem Blattspinat. Nehmt einfach 1 kg von einer der genannten Gemüsesorten, dazu 2 Zwiebeln, 4 Knoblauchzehen, 2 Teelöffel Currypulver, 200 g Okraschoten (Gemüseeibisch), 1 bis 2 Gemüsebrühwürfel und 100 ml Kokosmilch. Schmort die Zwiebeln in einem Topf an, gebt dann Knoblauch, Okra und das kleingeschnittene Gemüse dazu und würzt das Ganze mit Curry. Anschließend gebt Ihr noch die Kokosmilch und die Brühwürfel dazu. Püriert die Suppe, wenn das Gemüse gar ist, in einem Mixer und schmeckt sie mit Salz, Pfeffer und Muskat ab.Und dann: lasst es Euch schmecken! 

Ein etwas exotischeres Nationalgericht ist der Oildown, ein Eintopf aus gesalzenem Fleisch, Brotfrucht, Zwiebeln, Karotten, Sellerie, Taro und Knödeln, die allesamt in Kokosmilch gedünstet werden, bis die Flüssigkeit vollständig aufgenommen wurde. Auf vielen Speisekarten findet man auch "grenadischen Kaviar" (Seeigelrogen), Lambi (feines Muschelfleisch) und ein Fischgericht namens "Stuffed Jacks". Ein leckerer Abschluss für jede Mahlzeit sind grüne Papaya in Käsesoße. Neben den "harten" Getränken mit Rum, die man natürlich nicht den ganzen Tag über genießen kann (oder sollte) und die sich auch nicht in jedem Magen gut mit der Hitze vertragen, ist das leichte, etwas süßlich schmeckende Carib-Bier auch bei den ausländischen Gästen als Erfrischungsgetränk sehr beliebt.