Bevölkerung und Kultur

Kulturelles Erbe und die Legende der „Springer“. Grenada wurde von Kolumbus entdeckt – jedenfalls aus Sicht der Europäer. Die Kariben besiedelten die Insel schon früh, Stammeskriege und Kannibalismus prägten zu damaliger Zeit die Bevölkerung. Als Kolumbus die Insel auf seiner dritten Reise in die Neue Welt sichtete, traute sich deshalb niemand so richtig an Land. 

Erst viel später wagten sich die Franzosen auf die Insel. Die Indianer stürzten sich daraufhin ziemlich konfus kopfüber von den Klippen – diese Stelle im Norden Grenadas heißt deshalb noch heute „Springerhügel“. 

Die Herrschaft über das kleine Inselreich wechselte danach noch ein paarmal in Ping-Pong-Manier zwischen Franzosen und Briten, bis Grenada 1783 endgültig in englischen Besitz fiel. Das französische Erbe lebt aber in vielen Ortsnamen und der Sprache noch fort.

Insel Grenada als Zentrum des Landes. Der Staat hat heute rund 100.000 Einwohner, von denen 90 Prozent auf der Insel Grenada leben, rund 9.000 auf Carriacou und 900 auf Petite Martinique. Etwa drei Viertel der Bevölkerung sind schwarzafrikanischer Abstammung, der Rest ist hauptsächlich europäischer oder indischer Herkunft.

Außergewöhnliche Gottesdienste. Fast alle Grenader sind Christen: gut zur Hälfte römisch-katholisch, der Rest gehört protestantischen Kirchen an (Anglikaner, Methodisten, Adventisten). Die Kirche ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Die Frauen ziehen sich feine Kleider und schicke Hüte zum Gottesdienst an.

Selbstverständlich freut es die Einheimischen, wenn auch Urlaubsgäste die bis zu 200 Jahre alten Kirchen und die Gottesdienste besuchen. Das ist sicherlich ein außergewöhnliches Erlebnis, denn hier geht es in der Kirche rund – es wird viel geklatscht und gesungen.

Karneval in der Karibik. Viele der Feste, die man bei hier feiert, haben auch einen religiösen Ursprung, wurden aber von anderen Kulturen zusätzlich beeinflusst. Der Karneval beispielsweise, der wie in Deutschland als ausgelassene Feier vor Beginn der österlichen Fastenzeit begann, diente den früheren Sklaven in der Karibik als Möglichkeit ausgelassen zu feiern. Diese Tradition lebt noch heute in den Festen am frühen Morgen des Rosenmontags fort.

Multi-Kulti Einflüsse. Die Sitten und Gebräuche haben sich aus der bunten Vielfalt der verschiedenen Bevölkerungsgruppen entwickelt. Der afrikanische Einfluss zeigt sich zum Beispiel in den Tänzen und in der Musik, bei denen der Rhythmus der Trommeln die Hauptrolle spielt. Die schwarzen Sklaven, denen das Trommeln verboten war, erfanden Geschichten, die von Generation zu Generation weitererzählt wurden und noch heute in der Überlieferung fortleben. 

Reggae, Bob Marley und Kirchenmusik. Eine karibische Tradition ist das „Extemporieren“, bei dem Sänger aus dem Stehgreif zu einer Standardmelodie neue Texte erfinden. Aufgrund seiner afrikanischen Wurzeln ist der Calypso-Gesang (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Modetanz) auch die typische Musikrichtung der Einheimischen. 

Musik ist in Grenada einfach allgegenwärtig: sie tönt aus Radios, aus den Läden, aus den Autos – ob Calypso, Reggae oder Soca. In den Hotels sorgen Steelbands und Limbotänzer für abendliche Unterhaltung. Und sonntags wird natürlich auch in der Kirche aus vollem Hals mitgesungen. Es liegt den Grenadern einfach im Blut.

The Caribbean Way of Life. Alles in allem sind die Grenader ein gemütliches Volk, das sich selten aus der Ruhe bringen lässt. Sie lassen sich nicht hetzen. Im Englischen der Karibik gibt es ein eigenes Wort für das entspannte Herumhängen und Tratschen: “Liming”. Dazu gibt es sogar eigene “Liming Spots”: Vor den bunten Holzhäuschen, auf Brettern oder Stühlen am Straßenrand. Und hier sind es die Männer und nicht die Frauen, die diesem „Volkssport“ am liebsten nachgehen.

Europäern fällt es – besonders in den ersten Urlaubstagen – nicht immer leicht, sich an das stressfreie Leben zu gewöhnen. Da hilft nur eines: entspannen, zurücklehnen, abwarten und Cocktails schlürfen. Man sollte die Uhr (auch wenn man sie auf die richtige Zeit umgestellt hat) einfach mal im Hotelzimmer liegenlassen und daran denken, weshalb man Urlaub macht: zur Erholung.